Jagen mit Hund – Benötige ich einen Jagdhund?

Die Rolle des Hundes im Jagdgeschehen

Hunde nehmen im Jagdgeschehen eine wichtige Rolle ein. Sie sind Euer treuer Begleiter unter anderem bei der Jagd, im Revier oder bei routinemäßigen Prüfungen auf Verbiss- und Schälschäden. Die Jagd mit Hund erfüllt den Anspruch der Waidgerechtigkeit. Die Nachsuche (Suche von krankem / angeschossenem Wild) ist ein zentraler Punkt in der jagdlichen Praxis, bei der ein Hund unerlässlich ist.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit zur Jagd ohne Hund. Im Fall einer Nachsuche seid Ihr dann auf einen ehrenamtlichen Nachsucher angewiesen. Wird dieser in Anspruch genommen, solltet Ihr aus Gründen der Anerkennung für seine Tätigkeit zumindest die angefallenen Kosten für die Anfahrt übernehmen sowie ein angemessenes Entgelt für die Mühe entrichten.

Kontaktdaten ehrenamtlicher Nachsucher erhaltet Ihr bei den zuständigen Unteren Jagdbehörden der Region. Alternativ könnt Ihr Euch auch an die anerkannten Schweißhundestationen in Deutschland wenden. Deren Daten sind zum Teil über die Internetseiten der Landesjagdverbände oder über Recherche im Internet, Veröffentlichungen von Jagdzeitschriften wie Wild & Hund, Deutsche Jagdzeitung etc. abrufbar.

Sofern Ihr einen Jagdhund besitzt, benötigt Ihr keine weiteren Überlegungen zur Hundehaltung vornehmen. Beabsichtigt Ihr die Anschaffung eines Jagdhundes, solltet Ihr im Vorfeld über einige Dinge nachdenken.

Achtung: Jagen und Nachsuche ohne (brauchbaren) Jagdhund

Zum Thema Nachsuche ohne brauchbaren Jagdhund hat das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht im Dezember 2020 ein Urteil verkündet. Einem Jäger wurde der Jagdschein entzogen, da er für eine Nachsuche auf krankes Schalenwild keinen brauchbaren Jagdhund eingesetzt hat. Erschwerend kam für den Jäger hinzu, dass die Nachsuche nicht fristgerecht (umgehend) eingeleitet wurde. Zudem handelte es sich um eine revierübergreifende Ansitzdrückjagd, für die die erforderlichen Absprachen mit Nachbarrevierinhabern bezüglich Wildfolge fehlten. Die verspätete Nachsuche ohne brauchbaren Jagdhund ist in seinem Fall mehrfach aufgetreten, so dass vermutlich alle diese Punkte in Kombination zu diesem Urteil geführt haben. Den gesamten Artikel findet Ihr hier.

Auch wenn in diesem Fall Eines zum Anderen geführt haben mag, zeigt dieses Urteil die Sensibilität der Nachsuche und die Verantwortung der Jäger auf. Im eigenen Interesse solltet Ihr daher stets alle Voraussetzungen und Vorgaben für eine Nachsuche auf Eurer Jagd erfüllen können.

 

Jagdhund Photo by Nathalie Spehner, Unsplash
Photo by Nathalie Spehner on Unsplash

Habe ich Zeit, mich um einen Hund zu kümmern?

„Der Hund ist der beste Freund des Menschen“, hat eine enge Bindung an ihn und möchte Zeit mit ihm verbringen. Gerade dann, wenn Ihr eventuell sogar einen Welpen als Jagdhund ausbilden wollt, benötigt Ihr viel Zeit und Geduld. Während der Ausbildung und Gewöhnung an das Jagdgeschehen durchläuft ein Hund mehrere Phasen, die durch den Halter und ggf. durch geeignete Abrichtungslehrgänge begleitet und mit spezifischen Inhalten für die jeweilige Phase gefüllt werden. Die Entscheidung für einen Hund bedeutet langfristige Bindung und Verantwortung.

Welche Haltungsform kann ich einem Hund anbieten?

Abhängig von Euren verfügbaren Räumlichkeiten, könnt Ihr zwischen Zwinger- oder Stubenhaltung, ggf. Anbindehaltung wählen. Die Tierschutz-Hundeverordnung regelt die Bedingungen der verschiedenen Haltungsarten, z.B. Anforderungen an Größe, Lichteinfall, Schutz vor den Elementen etc. Oftmals ist eine Kombination aus Haus- und Zwingerhaltung ideal, Anbindehaltung ist weniger empfehlenswert.

Welche Ernährung benötigt ein Hund?

Man unterscheidet die Ernährung eines Hundes in Erhaltungsbedarf und Leistungsbedarf. Wie die Namen erraten lassen, bezieht sich der Erhaltungsbedarf auf die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen und der altersgerechten Bewegungsaktivitäten. Der Leistungsbedarf bezieht sich auf Situationen, die über die reguläre Beanspruchung des Hundes hinausreichen. Darunter fällt z.B. die Jagdausübung als besondere körperliche Leistung, das Wachstum bei Welpen oder auch trächtige bzw. säugende Hündinnen.

Wie muss ein Hund gepflegt werden?

Hunde bedürfen Pflege. Insbesondere ist auf Fell, Augen, Ohren, Pfoten und Gebiss zu achten. Hierfür existiert ein umfangreiches Sortiment möglicher Hygieneartikel. Eine sorgfältige Hygiene ist der beste Schutz gegen mögliche Krankheitserreger und Parasitenbefall. Zudem sollte jeder Hund regelmäßig die erforderlichen Impfungen und Immunisierungen erhalten, insbesondere Tollwut.

Welche Dokumente benötige ich als Hundehalter?

Impfausweis (gelb)

Den Impfausweis erhaltet Ihr kostenlos von Eurem Tierarzt. Er enthält bestimmte Hundebezogene Daten (Name, Fellfarbe, Geburtsdatum), welche Impfungen für ein Tier durchgeführt wurden bzw. wann diese fällig sind. Für Reisen ins EU-Ausland ist dieser Ausweis nicht ausreichend.

EU-Heimtierausweis (blau)

Der EU-Heimtierausweis kann von einem niedergelassenen Tierarzt ausgestellt werden. Er wird nur dann benötigt, wenn Ihr beabsichtigt, mit Eurem Hund (auch erforderlich für Katzen und Frettchen) ins EU-Ausland zu reisen. Im Gegensatz zum Impfausweis ist er nicht kostenlos: es fällt eine Gebühr in der Größenordnung von 40 EUR an. Der Ausweis dient als Nachweis, dass erforderliche Impfungen zum Gesundheitsschutz – insbesondere gegen Tollwut – vor Antritt der Reise durchgeführt wurden.

Einem Tier muss sein EU-Heimtierausweis eindeutig zugeordnet werden können. Hierfür muss durch den Tierarzt die Identität des Tiers festgestellt sowie diverse Hunde- und Halterbezogenen Daten eingetragen werden. Bestimmte Informationen wie z.B. Aufkleber von Impfstoffen müssen zum Schutz laminiert werden. Durch diese Maßnahmen soll der EU-Heimtierausweis fälschungssicher werden. Neben dem EU-Heimtierausweis wird meistens auch der Impfausweis (mit)geführt. Wer keine Reise mit Hund ins EU-Ausland plant, benötigt auch keinen EU-Heimtierausweis.

Ahnentafel

Eine Ahnentafel gibt es nur für Rassehunde. Bekommt Ihr die Gelegenheit, einen Rassehund über einen Verband zu kaufen, dann wird die Ahnentafel durch den Zuchtwart des Verbandes erstellt und Euch zugeschickt. Ahnentafel und Hund sind untrennbar miteinander verbunden.

Muss ich eine Hundehaftpflichtversicherung abschließen?

Eine Hundehaftpflichtversicherung ist für kleine Hunde nicht vorgeschrieben, für große Hunde ist sie erforderlich. Hierunter fallen auch Jagdhunde. Allerdings habt Ihr die Möglichkeit, über die für Jäger verpflichtende Jagdhaftpflichtversicherung Euren Hund mit abzusichern. Es ist also keine separate Hundehaftpflichtversicherung notwendig.

Welche Hunderasse passt zu mir?

Jagdhunde werden wie folgt in Rassen unterteilt (ihre Spezialisierungen in Klammern):

  • Apportierhunde (Apportieren, jagt stumm, Wasser- und Schweißarbeit)
  • Bracken, auch als Jagende Hunde bezeichnet (teilweise Schweißarbeit, spurwillig, spurlaut, spursicher, teilweise Wildschärfe, ausdauernd)
  • Erdhunde (Bau- und Stöberjagd, teilweise Schweißarbeit, Wildschärfe, spurlaut)
  • Schweißhunde (Schweißarbeit, Wildschärfe, zielstrebig)
  • Stöberhunde (Wald- und Wasserjagd, spurlaut, Verlorenbringen, Buschieren, kurzjagend)
  •  Vorstehhunde, z.B. deutsch, englisch, ungarisch (geeignet für Wasser-, Feld- und Waldjagd, Verlorenbringen, teilweise spurlaut, teilweise Wildschärfe)

Eine Einteilung nach Haarkleid ist ebenfalls möglich:

  • Langhaar
  • Kurzhaar
  • Rauhaar

Die aufgeführten Leistungsmerkmale geben Euch einen ersten Überblick, welche Eigenschaften die einzelnen Rassen aufweisen. Idealerweise habt Ihr schon eine Vorstellung, welchen jagdlichen Schwerpunkt Ihr zukünftig ausüben wollt bzw. in welcher Art Revier der Hund eingesetzt werden soll. Ihr solltet überlegen, ob Ihr Schalenwild, Fasan, Kaninchen etc. jagen möchtet und ob dies dann eher ein Feld- oder ein Waldrevier bedeuten würde. Unter diesen Gesichtspunkten könnt Ihr eine geeignete Wahl für Euren Jagdhund treffen.

Wenn Ihr hinsichtlich Eurem zukünftigen jagdlichen Schwerpunkt noch unsicher seid, aber trotzdem einen Jagdhund kaufen möchtet, dann könntet Ihr über einen eher universal einsetzbaren Hund nachdenken. Für diesen Fall würde sich ein Kleiner Münsterländer anbieten.

Exkurs

Nachfolgend die Erläuterungen der oben erwähnten Spezialisierungen der Hunderassen:

Jägersprache Umgangssprache
Verlorenbringen Wild / Gegenstand suchen und bringen
spurlaut Hund bellt während er die Spur von Wild verfolgt
spursicher Der Hund kann einer Spur / Fährte sicher folgen
spurwillig Der Hund ist willig, einer Spur zu folgen und auf Ihr zu bleiben
Baujagd Primär bei Füchsen und Kaninchen eingesetzt; der Hund geht in den Bau und treibt das Wild heraus
Stöberjagd Hund sucht Wild und treibt es Richtung Schütze
Buschieren Erfolgt vor dem Schuss im unübersichtlichen Gelände, Hund sucht Wild um es aufzuschrecken
(Raub)Wildschärfe Hund ist in der Lage, verwundetes (Raub)Wild zu jagen, zu stellen und ggf. niederzureißen
Apportieren Bringen von geschossenem Wild
kurzjagend 1. räumlicher Aspekt: Führerbezogene Jagd, Hund hält sich im Umfeld bis maximal 40m zum Jäger auf

2. zeitlicher Aspekt: z.B. Stöberhund, kehrt nach 15 – 30 Minuten selbständig zum Jäger zurück

Schweiß(arbeit) Suche von krankem Wild anhand der Fährte des Wildes
Vorstehen Bei Witterung von Wild zeigt der Hund das Wild an, indem er regungslos auf das Wild weist, daher auch der Name „Pointer“

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