Waffenbesitzer in der Schusslinie

Verunsicherung, Aktionen und Bündnisse

Deutschlands Bevölkerung ist verunsichert. Befeuert durch eine immer stärker dramatisierende mediale Berichterstattung wird das Bild vom legalen Waffenbesitzer durch die veröffentlichte Meinung stark belastet. Sobald eine Schusswaffe in einem kriminellen Zusammenhang verwendet wurde, erschallen zeitnah die ersten Stimmen zur Entwaffnung bestimmter Gruppen, zur Verschärfung des Waffenrechts sowie weitreichenden Verboten.

Schlussendlich dringen die im Verlauf der Ermittlungen erkannten Hintergründe und Zusammenhänge kaum noch in die Öffentlichkeit und zu den Bürgern durch. Politiker sehen sich durch medialen und öffentlichen Druck dazu gezwungen, Verschärfungen in die Wege zu leiten, um der Unterstellung der Untätigkeit entgegenzuwirken. So erfahren wir zumeist die weitere Aufblähung behördlicher Abläufe, anstatt bestehendes Recht zuerst einmal durchgängig anzuwenden und durchzusetzen.

Doch nicht nur im Hinblick auf Kriminalität und Verbrechen sind Schusswaffen stärker in das mediale Interesse und das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Aufmerksame Beobachter haben längst festgestellt, dass sich seit Hanau und Walter Lübcke vermehrt „Bündnisse“ gegen privaten Waffenbesitz und Waffenhandhabung zusammenfinden und sich zu „Aktionen“ zum „Schutz der Kinder“ oder zum „Schutz der Bevölkerung“ berufen fühlen.

Zwei Beispiele

  1. In Krefeld wurde das von der Bürgerstiftung als Ferienaktion geplante Lichtschießen für Kinder nach massiven Beschwerden abgesagt – federführend und mit freundlicher Unterstützung der örtlichen SPD.
  1. In Offenbach formiert sich Widerstand gegen ein Schießzentrum, das von Polizei, Sicherheitskräften, Jägern und Sportschützen genutzt werden soll. Ein Kreis von Personen und Gruppierungen, formiert hinter „Offenbach solidarisch (LOS)“, will unter anderem eine Gefahr für die Bevölkerung darin erkannt haben, dass Legalwaffenbesitzer ihre Waffen zum Trainingsort durch ein Wohngebiet transportieren müssen.

Widersprüchlichkeit in der SPD

Schauen wir uns das Beispiel aus Krefeld einmal etwas genauer an, denn der Elan der ortsansässigen SPD zur Verhinderung des Lichtschießens ist insofern bemerkenswert, als sich die SPD in ihrem Wahlprogramm zwar in keiner Weise zu den Punkten privater Waffenbesitz, Jagd oder Schießsport geäußert hat, wir aber von der für uns zuständigen SPD MdB Kerstin Griese auf unsere Anfrage über den VDB-Briefgenerator einen Einblick in die Gedankenwelt der SPD dazu erhalten haben.

In ihrem Schreiben heißt es zum privaten Waffenbesitz wörtlich:

„Ich kann Ihnen aber die Position der SPD-Fachpolitiker*innen dazu schildern: Selbstverständlich soll legaler Waffenbesitz weiterhin erlaubt sein. Das gilt für, z.B. Sportschütz*innen, Sammler*innen, Jäger*innen, Fachhändler*innen und Hersteller*innen.“

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Wie ist es nun zu erklären, dass Fachpolitiker und MdB der SPD den genannten Gruppen der Legalwaffenbesitzer gegenüber zumindest neutral bis positiv eingestellt zu sein scheinen, Lokalpolitiker jedoch bereits bei Lichtschießen nervös werden und derart mobil machen, dass Ferienveranstaltungen für Kinder abgesagt werden müssen?

Dies aufzuklären wäre Aufgabe der Fraktion im Bundestag, damit jeder Wahlberechtigte im September weiß, ob Aussagen der SPD auf Bundesebene auch auf lokaler Ebene Bestand haben.

Eine Aufklärung durch lokale oder regionale Medien brauchen wir nicht zu erwarten. So schreibt beispielsweise Yvonne Brandt von der Westdeutschen Zeitung (WZ) über die Absage in Krefeld: „Krefelder Bürgerstiftung hat richtig nachjustiert“ oder “ Gut gemeint, ist halt nicht immer gut gemacht.“

Nachjustiert für was und in wessen Sinn? Im Sinne der Kinder sicher nicht.

Eine oftmals wenig objektive und lückenhafte Berichterstattung

Wie am Beispiel der Westdeutschen Zeitung ausgeführt, ist die Berichterstattung über den privaten Waffenbesitz, Waffenhandhabung, Jagd oder Schießsport in den deutschen Medien  weit davon entfernt, objektiv zu sein. Ausnahme bilden hier lediglich die Fachzeitschriften und der ein oder andere Lichtblick, in dem zumindest versucht wird, möglichst vorurteilsfrei über das Thema Waffen zu berichten (siehe Rheinische Post).

Ansonsten sind den Meisten von uns wohl eher Artikel und Forderungen wie vom Stern geläufig: „Sportschützen müssen endlich entwaffnet werden“.

Wie auch in anderen Bereichen der Berichterstattung ist beim Thema Waffenbesitz eine lückenhafte Informationspolitik zum Nachteil der Legalwaffenbesitzer erkennbar. Die für die Presse an sich verbindliche Verpflichtung zur Neutralität und Ausgewogenheit wird oftmals zugunsten von Polemik und Angstmacherei aufgeweicht.

Vermutlich wird es kaum jemanden geben, der nicht über Risiken im Umgang mit Gegenständen informiert werden möchte. Dies sollte jedoch nicht dazu führen, dass ein Teil der Gesellschaft nur noch als Risiko oder psychologischer Sonderfall angesehen wird.

Die deutsche Medienlandschaft wäre gut beraten, neben ihrer regelmäßig gezeigten Abneigung gegenüber Waffen und ihren Forderungen nach Verschärfungen auch die Komplexität des legalen Waffenbesitzes zu beleuchten. Dazu gehört beispielsweise die Aufklärung, unter welchen Voraussetzungen eine waffenrechtliche Erlaubnis überhaupt erteilt wird und welche personenbezogenen Prüfungen bei einem Antrag im Vorfeld erfolgen. Zusätzlich kann gerne die aktuelle Version des Waffengesetzes mitgeliefert werden. Wer danach immer noch der Meinung ist, dass in Deutschland eine waffenrechtliche Erlaubnis leichtfertig erteilt wird, sollte die Unterlagen noch einmal lesen und anschließend auch verstehen.

ZDF – Zahlen, Daten, Fakten

Nachdem wir auf die veröffentlichte Meinung eingegangen sind, stellt sich die Frage, wie es um die Positionierung der Bevölkerung gegenüber privatem Waffenbesitz in Deutschland tatsächlich bestellt ist. Eine Umfrage des Deutschen Jagdverbands (DJV) aus dem Jahr 2020 gibt hierüber Aufschluss.

Auch wenn die Umfrage einen jagdlichen Hintergrund innehat und 51% der Teilnehmer der Jagd positiv gegenüberstehen (27% neutral und 22% negativ), so bleibt das Ergebnis zum privaten Waffenbesitz deutlich:

83% der Befragten befürworten eine zentrale Lagerung von Waffen für Brauchtum, Sport und Freizeit

71% der Befragten sprechen sich für ein Verbot von privatem Waffenbesitz aus

Sieht man die Umfrage des DJV als repräsentativ an, so scheinen sich die Vorbehalte der Bevölkerung zu privatem Waffenbesitz zweifelsohne zu bestätigen. Die sich anschließende Frage lautet nun, woher diese Vorbehalte kommen. Entstehen die Vorbehalte aus einem bewusst empfundenen Angstgefühl und womöglich eigener Erfahrung. Oder ist der Auslöser die aktuelle Berichterstattung, die meint, begründete Risiken für die innere Sicherheit zu erkennen und daher Einschränkungen fordert.

Bisher ist keinem Waffengegner der Beweis gelungen, dass durch ein Verbot legaler Schusswaffen gleichzeitig für eine Verbesserung der inneren Sicherheit gesorgt ist. Der Handel mit und der Besitz von illegalen Waffen steht außerhalb des gültigen Rechtsrahmens. Illegal erworbene Waffen sind den Behörden nicht bekannt und können daher auch nicht überwacht oder nachverfolgt werden. Ein Verbot legaler Waffen kann demnach nicht dafür geeignet sein, Aktivitäten mit illegalen Waffen zu reduzieren, da sie außerhalb des rechtsstaatlichen Einflusses und seiner Gesetze liegen.

Fazit

Die deutsche Medienlandschaft hat in weiten Teilen ihre Objektivität verloren. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass manche Vertreter zu bestimmten Themen lieber ihre eigene Meinung wiedergeben anstatt zu berichten. Der Bereich Waffen ist einer davon. Der offene Diskurs in Deutschland ist verengt und verengt sich weiter. Selbst mit dürftigsten Argumenten können sich laute Minderheiten teilweise vorteilhafter positionieren als ruhig  agierende Mehrheiten.

Warum ist dies so? Dies ist zum Teil den sozialen Netzwerken sowie der immer stärkeren persönlichen Vernetzung durch Digitalisierung geschuldet. Auch wenn die in den sozialen Netzwerken gebildeten „Blasen“ (Bubbles) nur einen Bruchteil der Bevölkerung abbilden, so kann es schon beeindruckend sein, wenn sich plötzlich mehrere hundert oder tausend Nutzer auf ein Thema stürzen und einen gemeinsamen Tenor anschlagen.

Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass dies lediglich der Teil der Bevölkerung ist, der sich aus persönlichen Gründen zu einem Thema äußert. Wie bei Wahlen gibt es jedoch einen viel zu hohen Anteil an Menschen, die sich nicht äußern, obwohl sie es könnten und auch sollten – die so genannte schweigende Mehrheit. Dies können sowohl direkt Betroffene als auch Außenstehende sein.

Wir Legalwaffenbesitzer müssen überlegen, ob wir weiter mehrheitlich zu den Themen schweigen wollen, die uns direkt betreffen. Wollen wir es beispielsweise weiter zulassen, dass unser Besitz absichtlich zerstört wird und sogar Schäden an Leib und Leben in Kaufe genommen werden? Die nächste Stufe ist mit solchen „Aktionen“ und „Sympathiebekundungen“ längst erreicht.

Diese Fälle sind bei weitem keine Einzelfälle und trotzdem schaffen sie es nur selten über die Fachpresse hinaus in die breitere Berichterstattung. Auch wenn wir unseren Blick auf positive Entwicklungen wie zum Beispiel die Fortschritte bei der jährlichen Kitzrettung durch stärkere  Vernetzung von Jägern, Landwirten und Drohnenpiloten richten, bleibt die Berichterstattung ähnlich mager. Ähnlich ergeht es dem Schießsport als Olympische Disziplin. Die Erfolge deutscher Schützen finden kaum Beachtung.

Dies alles sollte uns Anlass zum Nachdenken geben. Denn sind wir ehrlich zu uns selbst, steht für diese Tendenz nur ein Begriff zur Verfügung: Verdrängung.

Machen wir uns nichts vor: die Zersplitterung unter den legalen Waffenbesitzern ist hoch und die Politik erwartet von uns offenbar genau deswegen weniger Gegenwind als von anderen Gruppen. Ja, es gibt unsere Verbände und Vereine, die täglich für unsere Belange in vorderster Linie einstehen und einen unerlässlichen Dienst leisten. Allerdings meist jeder nur für sich.

Wir sollten lernen, lokale Ereignisse nicht mehr als Einzelfälle anzusehen und womöglich sogar zu ignorieren. Schon morgen könnte sich eine ähnliche Situation in unserem Umfeld ereignen und wir diejenigen sein, die Unterstützung benötigen.

Wir sollten offen dafür sein, unseren Zusammenhalt und unsere Zusammenarbeit zu stärken. Nur eine Bündelung kann das notwendige Potential erzielen. Daher war die Teilnahme am VDB-Briefgenerator (24.366 versendete Briefe, Quelle: WM intern 07-08/2021) ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir hoffen auf weitere derartige Aktionen.

Video zur Verfassungsänderung in Tschechien

Dieses Video von #Gunvlog ist eine hervorragende Ergänzung zu diesem Beitrag und greift unsere heutige Problematik vortrefflich auf. Wir legen Euch besonders die zweite Hälfte nahe.

Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema? Erkennt Ihr eine ähnliche Entwicklung, wie im Artikel beschrieben? Als wie dringend seht Ihr es an, die Zusammenarbeit zwischen den Legalwaffenbesitzern zu intensivieren und zu bündeln?

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3 Gedanken zu „Waffenbesitzer in der Schusslinie“

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