Jagd und Jäger im Fokus – Ist die Jagd in Deutschland noch zeitgemäß?

Die Absicht der Bundesregierung, weitere Verschärfungen im Waffenrecht durchzuführen, führte in der ersten Jahreshälfte 2021 zu deutlicher Unruhe unter Jägern und Legalwaffenbesitzern gleichermaßen. Konnte das „Gesetz zur Verbesserung waffenrechtlicher Personenüberprüfungen“ in dieser Legislaturperiode vorerst noch auf das Abstellgleis geschoben werden, ist für Jäger kurz danach ein neuer Brandherd entstanden.

Gemeint sind die Diskussionen der letzten Monate, ob die Jagd in Deutschland überhaupt noch zeitgemäß ist, deutlich verändert werden muss oder sogar vollständig abgeschafft werden kann. Viele Menschen, Vereine und Verbände haben eine Meinung dazu. Doch wie steht es nun um die Jagd in Deutschland?

Hat die Jagd in Deutschland noch eine Berechtigung?

Nun ist uns Jägern dieses Thema nicht neu. Es soll an dieser Stelle auch gesagt sein, dass viele Gesprächspartner in den Diskussionen versuchen, die Jagd neutral zu beleuchten und mit den aktuellen Herausforderungen hinsichtlich Naturschutz, Tierschutz oder Wald- / Wildkonflikt ins Verhältnis zu setzen. Siehe hierzu den Artikel vom MDR: „Brauchen wir die Jagd noch?„. Es war zu erwarten, dass die messbaren Effekte der Jagd und damit auch ihre Möglichkeit, regulierend auf Wildbestände einwirken zu können, immer häufiger auf dem Prüfstand stehen werden. Die Welt dreht sich weiter, Dinge verändern sich. Auch die Jagd und wir Jäger bleiben davon nicht verschont.

Dennoch müssen wir wahrnehmen, dass besonders in den letzten Jahren einige energische Stimmen gegen die Jagd immer lauter und die Gewalt gegen Jäger und ihren Besitz stetig zunehmen. Zudem dringen auch deutlich mehr Diskussionen über die Berechtigung der Jagd immer stärker in die Medien und die Öffentlichkeit (wir berichteten darüber in: „WDR-Diskussion: Die Jagd – Naturschutz oder Mord an Tieren?).

Ein neuer Spieler – Der Wildtierschutzverband

Zu den bekannten Vertretern von PETA und Animal Liberation Front, die der Jagd und uns Jägern aus unterschiedlichsten Gründen äußerst kritisch gegenüberstehen, gesellt sich seit Anfang September 2021 nun ein neuer Spieler mit dem Namen Wildtierschutzverband. Dieser Verband hat es sich zum Ziel gesetzt, alle Kräfte für den Wildschutz – und damit gegen die Jagd – unter einem Dach zu vereinen. Er möchte als Dachverband aller Jagdgegner fungieren.

Auf der Startseite des Wildtierschutzverbandes heißt es:

„Unter dem Motto „Professionelle WildhüterInnen statt Hobbyjagd“ wollen wir alle Kräfte bündeln, um die Ökologie von Wald und Flur in die Hände professioneller WildhüterInnen zu geben und so auch die Hobbyjagd in Deutschland zu beenden.

Viele anerkannte WissenschaftlerInnen und NaturschützerInnen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht überhaupt keine Notwendigkeit für die Jagd in der derzeitigen Form besteht. Sehen Sie hier unsere Argumente und unterstützen Sie uns!

WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen, SchauspielerInnen, SportlerInnen, Musikstars, Top-ManagerInnen und Verbände stehen für diesen Gedanken und sind schon dabei. Sie sind erfolgreich und berühmt – doch vor allem sind sie eines: Für professionelle WildhüterInnen statt überflüssiger Hobbyjagd!

Der Wildtierschutzverband will jetzt als Dachverband alle Wildtier- und WaldschützerInnen Deutschlands zusammenbringen, um umso stärker und schlagkräftiger politisch agieren zu können und so die nötigen Gesetzesänderungen anzustoßen. Helfen Sie mit!“

(Hervorhebungen der Schrift vorgenommen durch Jagdschein-Info.com)

Jagd als „Hobby“ und Jäger als „Hobbyjäger“?

Die Jagd wird von genau diesen Menschen und Vereinigungen immer häufiger als „Hobbyjagd“ bezeichnet und wir Jäger zum „Hobbyjäger“ herabgestuft. Dabei haben diese Wortgebilde bereits erste Erfolge beim Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch zu feiern. So berichtete die NRZ über beschmierte Wahlplakate der FDP im Wahlkampf 2021, in denen die Forderung „Hobbyjagd stoppen“ zu lesen war.

Dies verursacht eine allgemeine Verzerrung des Stellenwertes der Jagd, ihrer Bedeutung für Jäger und ihres Ansehens in der Öffentlichkeit. Der Begriff „Hobby“ wird hier negativ umgedeutet und bezeichnet in diesem Zusammenhang nur noch eine rein oberflächliche und als Zeitvertreib gedachte Vorliebe für etwas. Eine Vorliebe, die einer Laune entspringt und auch wieder unterlassen werden kann, wenn man die Lust daran verliert.

Anhand dieser Umdeutung wird uns Jägern eine Vorliebe für das sinnlose Morden unschuldiger Tiere sowie der Missbrauch von Lebewesen als Zielscheibe unterstellt – und das Ganze auch noch als Zeitvertreib, da wir uns anderweitig nicht zu beschäftigen wissen und ohnehin eine sadistische Ader haben.

Durch diese Argumentation (die an sich gar keine ist, da sie wie so oft eher an Gefühle appelliert und weniger auf Fakten basiert) geschehen jedoch zwei Dinge:

  1. alle anderen Leistungen von Jagd und Jägern werden ausgeblendet
  2. Jäger befinden sich schneller als gewünscht in der Defensive, da erst erläutert werden muss, warum diese Unterstellung nicht der Wahrheit entspricht.

Lesen wir uns die Ziele und anderen „Argumente“ der zuvor genannten Vereine und Verbände einmal genauer durch, so kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass diese sich mit der Verantwortung, die ein Jagdschein mit sich bringt, nicht wirklich auseinandergesetzt haben. Stattdessen werden stets dieselben Punkte ins Feld geführt und Behauptungen aufgestellt, die sich bei genauerem Hinsehen von selbst widerlegen würden.

Hier einige Beispiele:

  • das „grüne Abitur“ ist eine „drive-in-Ausbildung„, sie ist also schnell und einfach zu bekommen und daher nichts wert
  • Jäger nehmen sich heraus, über Leben und Tod entscheiden zu dürfen

Zusätzlich werden noch einige Behauptungen aufgestellt und Meinungen eingeflochten, die als Fakten verkauft werden:

  • der Wildbestand nimmt ohne Jäger nicht Überhand
  • Viele anerkannte WissenschaftlerInnen und NaturschützerInnen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht überhaupt keine Notwendigkeit für die Jagd in der derzeitigen Form besteht.

Was bedeutet es in diesem Kontext, „sich einig zu sein„? Die Fans eines Sportvereins sind sich auch einig, dass ihr Verein der Beste ist. Doch welche Fakten liegen hierzu genau vor und welches Monitoring wurde betrieben, um diese Behauptung zu untermauern? Basiert die Behauptung lediglich auf Gefühlen oder persönlichen Sichtweisen Gleichgesinnter, hält sie einer genaueren Prüfung nicht stand.

Wer die zuvor aufgeführten Aussagen tätigt, hat die zum Bestehen der Jägerprüfung relevanten Inhalte und Schulungsunterlagen noch nie gesehen. Vor allem hat er aber nicht verstanden, welchen Stellenwert das heimische Wild für uns Jäger hat.

Es wird uns abgesprochen,

  • eine Verbundenheit zu Wild und Natur zu haben
  • die notwendige Balance im Ökosystem zu erkennen und zu verstehen
  • uns des Wald-/ Wildkonfliktes bewusst zu sein
  • verstanden zu haben, dass der Lebensraum von Wild durch menschliche Eingriffe immer weiter eingeschränkt wurde.

Diese Auflistung ließe sich beliebig fortführen. Stattdessen nehmen sich Jagdgegner heraus, diese Erkenntnisse als Erste wirklich durchschaut zu haben und beanspruchen sie für sich. Dabei sind es genau diese Punkte, die seit Jahrzehnten Bestandteil der Jägerausbildung sind.

Auch hinsichtlich Wildhege durch Jäger ist es erstaunlich ruhig von Seiten der Jagdgegner. Verständlicherweise, denn es darf natürlich nicht der Eindruck erweckt werden, dass Jäger für Wald und Wild Gutes tun und ihren Beitrag zum Erhalt des Ökosystems leisten. Rehkitzrettung ist ebenfalls kein Thema. Dies liegt möglicherweise daran, dass Jagdgegner keine Erfahrungswerte in diesem Bereich besitzen. Denn bisher haben wir noch von keinem der oben genannten Tierschutzvereine gehört, dass er sich vor einer Frühjahrsmahd am frühen Morgen an der Wiese eingefunden hat, um seinen Beitrag zu leisten …

Das Fazit

Was bleibt nun übrig von den Meinungen und Vorstellungen der Tierschutzvereine und anderer Jagdgegner? Nach unserer Auffassung bis hierhin nicht viel, denn die Argumentationen fußen zu stark auf persönlichen Einschätzungen und zu wenig auf Fakten. Sich einig zu sein reicht für eine fundierte Gesprächsführung nicht aus. Insbesondere dann nicht, wenn so weitreichende Änderungen wir die Abschaffung der Jagd (wie wir sie derzeit kennen) im Raum stehen.

Unserer Meinung nach wird es die Jagd in Deutschland weiterhin geben. Was es jedoch höchstwahrscheinlich nicht geben wird, ist eine Jagd, die Veränderungen ihrer Umwelt außer Acht lässt. Die Jägerschaft muss sich den Herausforderungen stellen, die Gesellschaft und Ökosystem an sie stellen. Das allseits bekannte „lebenslange Lernen“ macht auch vor uns nicht halt.

Nun haben wir uns dem auch nie verschlossen. Selbst wenn es Jagdgegner nicht wahrhaben wollen: auch Jäger sind Tier- und Naturschützer und helfen bei der Regulierung unseres Ökosystems. Tiere zu schießen, steht zu dieser Aussage nicht im Widerspruch. Vielleicht hilft zum besseren Verständnis die Begleitung eines Jägers im Revier, auch um den eigenen Horizont zu erweitern. Siehe hierzu den Erfahrungsbericht von Torsten Luttmann in der Fachzeitschrift Jagdblatt.

Gewiss ist für uns Jäger aber definitiv Folgendes: der Druck auf Jagd und Jäger wird weiter zunehmen. Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl 2021 und daraus resultierender Koalitionen ist nach aktuellem Stand sogar davon auszugehen, dass Tierschutzvereine und Jagdgegner noch stärkeres Gehör finden, da sie auf den Rückhalt entsprechender Bundestagsparteien zählen können. Die Auswirkungen auf die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der Jägerschaft sind dahingehend nicht abzusehen.

Wir Jäger haben uns darauf vorzubereiten und zu positionieren. Auch für uns sind Vernetzung und Zusammenhalt unerlässlich und zwingend weiter auszubauen. Dokumentation und Argumentation gegen althergebrachte Vorwürfe werden nicht die Herausforderungen sein, die wir zu bewältigen haben – unsere Ausbildung, unser Wissen und unser Blick auf Natur und Wild können den Anfeindungen gut begegnen.

Vielmehr wird die Herausforderung darin liegen, die Berechtigung der Jagd und ihren Nutzen für das Ökosystem aus jagdlicher Sicht herauszuarbeiten. Unserem Wert das nötige Gewicht zu verleihen, wird die essentielle Aufgabe sein, um den (medialen) Netzwerken der Jagdgegner entgegenzutreten. Die Meinungsführerschaft darf nicht den Jagdgegnern überlassen werden, indem sie der Öffentlichkeit permanent das Bild des „bösen Jägers“ suggerieren.

Wir brauchen uns nicht zu verstecken: Die Jagdgemeinschaft verfügt Dank DJV und der LJV über die nötigen Monitoring-Programme, das nötige Wissen und die richtigen Kanäle, um relevante Informationen bereitzustellen, zu verbreiten und mit ihnen Menschen zu erreichen. Wir sollten diese Vorteile nutzen, damit das Ansehen der Jägerschaft in der Bevölkerung weiterhin so positiv bleibt, wie es derzeit ist.

Hat Euch dieser Artikel gefallen? Wie ist Eure Meinung zu Jagdgegnern, Wild- und Tierschutzvereinen? Sind deren Argumente gegenüber Jagd und Jägern haltbar? Ist die Jagd in Deutschland, wie wir sie kennen, bereits angezählt? Lasst uns Eure Meinung über die Kommentarfunktion zukommen.

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