Ausstattung für Jäger – Teil 5 – Jagdkleidung und Jagdschuhe


Teil 5 unserer Serie “Ausstattung für Jäger” steht voll und ganz im Zeichen der Jagdkleidung und Jagdschuhe. Sowohl zum Eigenschutz als auch aufgrund rechtlicher Vorgaben sind bei bestimmten Jagdarten verpflichtende Vorgaben einzuhalten (Signalfarben). Die meisten von uns im Folgenden vorgestellten Kleidungsstücke sind in Ausführungen für Männer als auch für Frauen erhältlich.

Jagdkleidung ist genau wie Freizeit- und Berufskleidung an Wetter, Temperatur und Aktivität anzupassen, sonst kann sie sich schnell als unpassend erweisen. Daher sind die hier von uns vorgestellten Produkte als Orientierungshilfe für Euch gedacht, die selbstverständlich austauschbar und auf Eure individuellen Bedürfnisse und Vorstellungen anzupassen sind. Ob Ihr zum Beispiel eher eine Fleecejacke, Weste oder dünne Jacke bei Euren jagdlichen Aktivitäten bevorzugt, ist ganz allein Eure Entscheidung.

Die Auswahl bei Jagdkleidung ist nahezu unerschöpflich und auch außerhalb von Schlussverkäufen gibt es oftmals viele Angebote und reduzierte Artikel. Jungjäger erhalten bei diversen Anbietern zudem Jungjäger-Rabatte oder vergleichbare Angebote mit deutlichen Nachlässen. Haltet die Augen offen und fragt auch bei einem Besuch bei einem Händler vor Ort einfach mal den Verkäufer, was sich preislich machen lässt. Es lohnt sich.

Jagdjacke

Eine Jagdjacke – und in ihrer “Extremform” die Winterjacke – ist die dickste und am wärmste Form einer Jacke für jagdliche Aktivitäten. Sie werden zum Teil auch als Jagdparka bezeichnet. Sie eignen sich ideal für die Ansitzjagd oder auch für Hegearbeiten. Sie besitzen einen durchgehenden Reißverschluss an der Vorderseite und eine Vielzahl an Taschen auf der Innen- und Außenseite. Die Taschen an der Außenseite dienen unter anderem als Handwärmetaschen. Die meisten Jagdjacken besitzen verstell- und abnehmbare Kapuzen, je nach Modell mit einem zusätzlichen Kunstfellbesatz versehen sind.

Jagdjacken sind gut gefüttert und wattiert. In ihrer Funktion sind sie wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv. In der Winterausführung können sie mit unterschiedlichen isolierenden und wärmenden Materialen und Membranen ausgestattet sein, um ihre Wärme- und Isolationseigenschaften noch weiter zu verstärken (G-Loft®, Rambrane®, Prima-Loft®, G-1000® und viele andere). Die Wintervarianten sind fast durchgängig länger gehalten als die Frühjahr- und Herbstausführungen, um einen größeren Teil des Körpers zu schützen. Bestimmte Modelle sind imprägniert.

Materialen: Polyamid, Polyester, Daunen, Polyurethan

Signaljacke

Eine Signaljacke ist eines der wichtigsten Kleidungsstücke für Jäger. Bei bestimmten Gesellschaftsjagden wie beispielsweise Drückjagden und Treibjagden ist eine Signaljacke sogar verpflichtend vorgeschrieben, um Unfälle zu vermeiden. Genaueres hierzu ist der Unfallverhütungsvorschrift Jagd (UVV Jagd) zu entnehmen.

Wie bei allen anderen Kleidungsstücken müssen auch Signaljacken ihrem Träger optisch und vom Tragekomfort her gefallen sowie eine Funktion erfüllen. Die Funktion besteht bei ihnen einerseits in ihrer (Un-)Sichtbarkeit gegenüber Wild und Mitjägern und andererseits im Schutz vor äußeren Einflüssen. Sie müssen also dem Wetter und anderseits den jagdlichen und revierbezogenen Gegebenheiten angepasst sein. Wesentliche Punkt bei der Auswahl einer Signaljacke sind die Widerstandsfähig gegen Dornen, Atmungsaktivität, Schutz vor Wind, Kälte und Feuchtigkeit. Niederschlag wird idealerweise dauerhaft abgewiesen.

Für die kalte Jahreszeit gibt es spezielle Signaljacken in Thermoausführungen, denn bei kalten Temperaturen ist es besonders wichtig, den Torsobereich warm zu halten. Während der warmen Jahreszeit können beispielsweise leichte Fleecejacken oder leichte Wendejacken in Signalfarben getragen werden, die sich im Herbst/Winter wiederum als Zwischenschicht eignen.

Eine Signaljacke sollte zudem eine angemessene Anzahl von Taschen haben, damit Ihr wichtige Gegenstände immer direkt bei Euch tragen könnt. Und trotz der vielen zuvor bereits genannten Anforderungen an eine Signaljacke sollte sie zudem auch noch geräuscharm sein, damit Ihr so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erweckt.

Signaljacken sind in vielen Varianten erhältlich: einfarbig in Signalfarbe oder auch mit Tarnmuster. Die Signalfarbe ist für das menschliche Auge gut sichtbar während es für Schalenwild weitestgehend unsichtbar bleibt, es nur im Grauspektrum sieht. Mit Hilfe des Tarnmusters werden die Umrisse des Jägers nahezu vollständig aufgelöst.

Materialen: Polyester, Fleece, Elasthan, Cordura (texturiertes Nylon)

Fleecejacke und Troyer

Fleecejacken und Troyer sind dünner als Jacken und können entweder allein oder im Zusammenspiel mit einer Jacke getragen werden. Genau wie Jacken gibt es sie in den unterschiedlichsten Farben und Ausführungen. Fleecejacken sind deutlich leichter als Jacken und passen sich durch Stretchbereiche dem menschlichen Körper sehr gut an. Dies verleiht mehr Spielraum bei jeder Art von Bewegungen. Trotzdem sind Fleecejacken genau wie Jacken auch wärmend (isolierend), winddicht, wasserabweisend und teils atmungsaktiv.

Fleecejacke

Fleecejacken besitzen an der Vorderseite einen durchgehenden Reißverschluss und können komplett geöffnet werden. Sie müssen nicht über den Kopf an- und ausgezogen werden. Einige Modelle sind als Wendefleecejacken (Wendejacken) erhältlich, mit meist dunkler Farbe auf der einen und Signalfarbe auf der anderen Seite. Sie können eine Fleecejacke zu mehreren Zwecken eingesetzt werden. Die meisten Modelle besitzen einen Stehkragen, Daumenschlaufen sind teilweise erhältlich. Die Anzahl an Taschen ist überschaubar und beschränkt sich in den meisten Fällen auf 2 Seitentaschen und ggf. eine Brusttasche.

Die eingesetzten Materialen und das Aussehen variieren stark. Auf den Außenseiten kann beispielsweise Faserpelz oder Teddyfleece verarbeitet sein. Viele Hersteller bringen auch Verstärkungen im Schulter- und Unterarmbereich an, zum Beispiel aus Microvelours oder (Kunst-)Leder. Dickere Modelle können auch wattiert sein. Modelle mit dem Oberstoff Cordura sind äußerst strapazierfähig.

Material: Polyester, Elastan, Cordura

Troyer

Ein Troyer unterscheidet sich zu einer Fleecejacke dahingehend, dass er entweder einen Reißverschluss oder eine Knopfleiste besitzt, die sich nur vom Hals bis zur Brust öffnen lassen. Er ähnelt demnach mehr einem Pullover mit Rollkragen als einer Jacke und wird über den Kopf an- und ausgezogen.

Im Gegensatz zu Fleecejacken existiert bei Troyern keine Möglichkeit, diese als eine Art “Wendetroyer” zu verwenden. Euch steht als Optik demnach lediglich die Außenseite zur Verfügung. Signalfarben sind bei Troyern nicht vorgesehen. Troyer sind vom Aussehen und vom Stoff her meist dicker als Fleecejacken, da bei ihnen gerne Wollstrick oder Lambswool-Mix (Wollmixgewebe, beispielsweise eine Mischung aus Lammwolle und Viskose) als Material verwendet wird. Wie auch bei Fleecejacken werden sie gerne im Schulter- und Unterarmbereich durch unterschiedliche Materialien verstärkt. Im Brust- und Oberarmbereich werden auch gelegentlich Stickereien aufgebracht.

Wer gerne viele Taschen an seiner Kleidung zur Verfügung hat, wird bei einem Troyer wohl nicht zufrieden stellend bedient: die meisten Ausführungen bieten lediglich eine Brusttasche an. Modelle mit Seitentaschen sind eher selten.

Material: Polyester, Schurwolle, Polyamid, Wollmixgewebe, Elastan

Weste

Westen stellen bei Zeiten einen guten Kompromiss dar, wenn Ihr vor der Frage steht, ob Ihr noch eine Jacke tragen sollt oder nicht. Als ärmellose Alternative zu langärmeligen Produkten bieten Westen den Vorteil, dass sie besser Luft zirkulieren lassen, gleichzeitig aber auch den Torso vor Auskühlung und vor Wind schützen. Viele Westen sind wattiert. Sie bieten eine hohe Bewegungsfreiheit und können sowohl allein oder auch in Kombination mit einer Jacke als Unterteil bzw. Unterjacke getragen werden.

Wie Jacken und Fleecejacken besitzen Westen einen Frontreißverschluss, der sich vollständig öffnen lässt. Mehrere außen und teils auch innen liegende Taschen sorgen für umfangreichen Stauraum und Transportmöglichkeiten. Farben und Muster bilden von klassisch bis modern alle Geschmäcker ab und sind in Leder, Lederoptik oder synthetischen Materialen erhältlich. Bei den eingesetzten Materialen wird darauf geachtet, dass sie weitestgehend geräuscharm sind.

Eine Sonderform der Weste ist die Heizweste. Diese besitzt ein oder mehrere Heizelemente, vernehmlich im Rückenbereich. Betrieben werden diese oft durch Hochleistungs-Li-Ionen-Akkus mit mehreren Stunden Heizdauer. Heizwesten können unter einer Jagdjacke getragen werden,

Material: Polyester, Leder, Polyester, Polyamid

Hemden und Blusen

“Jagdhemden” und “Jagdblusen” eignen sich nicht nur für die Jagd sondern auch für nahezu alle Freizeit- und Outdoor-Aktivitäten. Eine wohl allseits bekannte Ausführung ist das Flanellhemd. Alle Varianten von Jagdhemden sind vielseitig und zu allen Jahreszeiten einsetzbar. Sie können allein oder unter anderen Kleidungsstücken getragen werden.  Sie werden in den Ausführungen leicht  bis gefüttert angeboten und sind größtenteils atmungsaktiv und mit Belüftungssystemen ausgerüstet.

Hemden und Blusen sind mit einem Kragen und einer durchgängigen Knopfleiste an der Vorderseite ausgestattet. Je nach Modell verfügen sie über bis zu 2 meist aufgesetzte und verschließbare Brusttaschen (verschließbar per Knopf oder Reißverschluss). Einige Modelle sind an Unterarmen, Ellenbogen (Ellenbogenpatches) oder an den Schulterbereichen verstärkt.

Schnitt und Passform sind meist klassisch und schlicht gehalten, teilweise werden auch Ausführungen in modern-fit angeboten. Weit verbreitet sind Hemden mit Karo-Muster oder unifarben in verschiedenen Farben.

Material: Baumwolle, Polyamid, Polyester, Flanell, Elastan

Jagdhose und Arbeitshose

Bei der Auswahl einer geeigneten Hose stehen zwei entscheiden Fragen im Vordergrund:

  • Für welchen Zweck möchtet Ihr die Hose einsetzen?
  • Aus welchem Material soll die Hose sein?

Sucht Ihr eine Arbeits- oder Revierhose, so müsst Ihr nicht unbedingt auf eine Jagdhose zurückgreifen, denn bei großer körperlicher und handwerklicher Aktivität stehen Bewegungsfreiheit und ausreichend Stauraum im Vordergrund. Es darf bei der Farbe auch etwas modischer sein. Für die Jagdhose solltet Ihr Eure Prioritäten jedoch auf Farbe und geräuscharme Materialen legen, denn hier ist es wichtig, vom Wild nicht gesehen oder gehört zu werden.

Sowohl Jagd- als auch Arbeitshosen zeichnen sich durch ihre Robustheit und gute Eigenschaften zum Schutz gegen äußere Einflüsse wie Wetter, Dornen etc. aus. Auch sind sie größtenteils atmungsaktiv. Die meisten Modelle bieten durch viele verschließbare Taschen auf der Vorder- und Hinterseite sowie am äußeren Beinbereich ausreichend Stauraum und Transportmöglichkeiten. Oftmals sind Verstärkungen am Knie am Hosensaum vorhanden, für die auf Cordura zurückgegriffen wird..

Weit verbreitete Materialien für Jagd- und Arbeitshosen sind Leder, Loden, Mischmaterialien. Insbesondere Loden sticht durch hohen Wetterschutz, Tragekomfort und ein gutes Körperklima hervor und bleibt dabei weich und flexibel. Für die kalte Jahreszeit werden wattierte Varianten angeboten. Alternativ könnt Ihr auch auf die normale Ausführung zurückgreifen und mit diese mit Thermokleidung unterstützen.

In unserem Review “Die Jagdhose – Was Ihr vor einem Kauf beachten solltet” erklären wir Euch detailliert und mit vielen Beispielen genau, wie Ihr bei der Wahl einer Jagdhose vorgehen könnt, um das für Euch richtige Modell zu finden.

Material: Leder, Loden, Mischmaterial, Cordura (insbesondere für Verstärkung)

Jagdschuhe, Jagdstiefel und Gummistiefel

Schuhe sind eines der wichtigsten Kleidungsstücke für jagdliche Aktivitäten oder Arbeiten im Revier. Sie müssen auf den jeweiligen Einsatzzweck ausgerichtet sein. Wir alle kennen es: wenn Schuhe drücken, reiben, die Füße, nass, zu warm oder zu kalt sind, dann kann es schnell unangenehm werden. Daher kann es kein Fehler sein, etwas Auswahl beim Schuhwerk in seiner Garderobe zu  haben.

Grob können folgende Arten von Schuhen für den jagdlichen Einsatz unterschieden werden:

  • Jagdschuhe
  • Jagdstiefel
  • Bergstiefel / Winterstiefel
  • Sonderform: Gummistiefel

Diese unterscheiden sich optisch zu aller erst in ihrer Höhe. Jagdschuhe sind Halbschuhe und  reichen bis zum Knöchel, während Stiefel die Knöchel mit abdecken und Gummistiefel bis knapp unter die Knie reichen. Demnach haben alle diese Varianten einen anderen Schwerpunkt: Schuhe sind ideal zum Wandern und für leichtere Tätigkeiten auf eher ebenem Gelände. Stiefel eigenen sich für anspruchsvolle Tätigkeiten, bei denen der Fuß Stabilität benötigt und Gummistiefel für Aufgaben, bei denen die Beine über längere Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt sind und die Füße vor Nässe schützen sollen. Gummistiefel haben zudem den Vorteil, dass sie sich sehr leicht reinigen lassen.

Hinsichtlich Wasserundurchlässigkeit, Robustheit, Atmungsaktivität, Isolierung und Tragekomfort sind die Techniken der Hersteller und die von ihnen erforschten Materialien und Stoffe mittlerweile sehr weit fortgeschritten (GORE-TEX und Comfortex-Membrane, Micro-Dry-Futter, Climate System und vieles mehr). Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Ihr könnt bei Schuhen aus einer beinahe unendlichen Anzahl von Varianten, Stoffen, Herstellern und Eigenschaften auswählen. Für jeden Geschmack und jeden Anlass wird etwas Passendes dabei sein.

In unserem Artikel “Passendes Schuhwerk für Jagd, Revier und Wandern – So findest Du geeignete Schuhe und Stiefel” findet Ihr viele weiterführende Informationen rund um Schuhe für Jagd, Outdoor, Trekking, Wandern und Zubehör wie Imprägniermittel, Socken, Einlegesohlen etc.

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Spezialausrüstung

Abschließend möchten wir Euch noch auf Sonderausführungen bzw. Spezialausrüstung für die Schwarzwildjagd hinweisen. Schwarzwild ist wehrhaft und kann sehr gefährlich sein, da es zum Beispiel mit seinem Gewaff Eure Oberschenkelarterie verletzen kann. Wer von Euch also aktiv Schwarzwild bejagen will oder Hundeführer ist, der könnte eventuell an besserem Schutz interessiert sein.

Die spezielle Schwarzwildausrüstung ist an sensiblen Stellen extra verstärkt und mit Stich- und Schnittschutz versehen. Als Außenmaterial wird hier vorwiegend Cordura eingesetzt, welches sehr robust und strapazierfähig ist.

Trotz aller zusätzlichen Schutzvorkehrungen lassen sich alle Kleidungsstücke recht komfortabel tragen, sind dehnbar und mit denselben Eigenschaften ausgestattet wie ihre weiter oben genannten Pendants (Atmungsaktivität, Feuchtigkeitsschutz etc.).

Was sind Eure bevorzugten Kleidungsstücke für Eure jagdlichen Aktivitäten? Welche Produkte und Hersteller haben sich Eurer Meinung nach bewährt und können bedenkenlos weiterempfohlen werden? Lasst andere Jäger und Jagdinteressierte an Euren Erfahrungen teilhaben und verfasst Euren Kommentar direkt hier unter diesem Beitrag.

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