„Schießt doch endlich!“ – Die taz im Gleichschritt mit „Wald-vor-Wild“-Befürwortern

Manch einer mag seinen Augen nicht trauen, was er dieser Tage in deutschen Medien zu lesen bekommt. Man ist als Leser mitunter ja schon einiges gewohnt, und dabei sprechen wir nicht nur über Themen rund um die Jagd oder Waffenbesitz. Doch so prägnant, wie die taz aus unserer Bundeshauptstadt Berlin, hat sich zu jagdlichen Belangen in jüngerer Zeit niemand geäußert. Gleich zwei Artikel haben zwei Autoren dort in den letzten Wochen dazu veröffentlicht. Dabei haben sie wohl in der Person von Axel Vogel (Landwirtschaftsminister von Brandenburg, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz – kurz: MLUK) ein neues Vorbild gefunden.

Waldbrand in Brandenburg – und „Bambi“ ist schuld

Der erste taz-Artikel datiert auf den 29.07.2022 und stammt von Maike Rademaker. Sein Titel: „Bambi, der Feind des Laubwaldes“. Im Grunde genommen sagt die Überschrift schon alles und im Text wird noch detaillierter darauf eingegangen. Der größte Feind des Laubmischwaldes sei das Schalenwild und dieses soll so stark bejagt werden, dass junge Bäume wieder ungestört wachsen können. Und daran setzt der zweite Artikel an.

Schießt doch endlich!“ lautet die Überschrift des zweiten taz-Artikels, der am 31.07.2022 veröffentlicht wurde. Uwe Rada zeichnet für diesen verantwortlich. Wähnt man sich beim bloßen Lesen der Überschrift zuerst dabei, einen Kriegsartikel vor sich zu haben, so wird wenig später schnell klar: weit gefehlt. Es geht um die derzeit ausgedehnten Waldbrände in Brandenburg und um den Waldumbau, der von vielen Akteuren in Politik und Forstwirtschaft derzeit massiv vorangetrieben wird.

Und was hat dies jetzt mit der Überschrift „Schießt doch endlich!“ zu tun? Nun, es werden Schuldige benannt, die einer „modernen“ (O-Ton Uwe Rada) Lösung im Wege stehen. Die „moderne“ Lösung ist das neue, von Axel Vogel mit Gleichgesinnten im Hinterstübchen erarbeitete, neue Jagdgesetz von Brandenburg. Dieses soll den Waldumbau durch seiner Meinung nach geeignete Maßnahmen vorantreiben.

Dem stehen im Wege: Jäger und Rehe. Die Rehe deshalb, weil sie Verbiss an Pflanzen, insbesondere Jungpflanzen, verursachen. Die Jäger, weil sie sich – nach Meinung des Autors – aufgrund von Eigeninteresse gegen die Novelle des Jagdgesetzes von Axel Vogel gestellt haben. Und dies mit Erfolg. Die Novelle wurde in ihrer bestehenden Form vorerst gestoppt und soll nun unter Einbeziehung der Fachverbände (deren Meinung im Vorfeld nicht eingeholt wurde) überarbeitet werden. Genauere Informationen haben wir in unserem Artikel „Gemeinsam stark! Neues Jagdgesetz in Brandenburg vorerst gestoppt“ ausführlich und in chronologischer Reihenfolge der Ereignisse zusammengetragen.

Offenbar missfällt den ökologischen Streitern, dass nicht jeder bereit ist, alles und jeden sofort auf dem Altar des Klimawandels zu opfern, sondern ein so großes Vorhaben lieber mit Augenmaß angehen möchte. Wer nicht direkt alles durchwinkt, was Die Grünen gerne hätten, der ist suspekt und kann ja nur eigene Interessen verfolgen. Und die hat Autor Uwe auch schon direkt entdeckt. Es sind die Trophäen:

„Tatsächlich ist es Waldbesitzern, die weniger als 150 Hektar Fläche ihr eigen nennen, verboten, selbst auf Jagd zu gehen. Stattdessen müssen sie sich so genannten Jagdgenossenschaften anschließen, die das Jagdrecht anschließend verpachten. Diesen Jagdpächtern aber geht es meist nicht so sehr um den Wald und den Waldumbau, sondern vielmehr darum, möglichst viele Trophäen zu schießen. Eine deutliche Reduzierung des Wildtierbestandes würde dem entgegenstehen.“

Das laute Schweigen der Tierschützer und Tierrechtler

Wir haben Berichterstattungen gesucht, in denen sich erklärte Jagdgegner und Tierschützer gegen das Vorhaben des MLUK zur Überarbeitung des Jagdgesetzes in Brandenburg positionieren. Auch wenn es in der Novelle des Jagdgesetzes nicht explizit erwähnt ist, so geht dieses Jagdgesetz zu Lasten der Wildtiere, denn es verfolgt klar den Grundsatz Wald vor Wild. Genau das hat Axel Vogel im März 2022 eindeutig und für alle nachlesbar auch im zuvor genannten taz-Artikel bestätigt:

„Die Wildbestände müssen angepasst werden, damit unsere Wälder eine Zukunft haben.“

 Und weiter im selben Artikel:

 „Wald vor Wild“, lautet deshalb die Parole von Grünen, Umweltschützern, aber auch von Verbänden wie dem Ökologischen Jagdverein Berlin-Brandenburg.“

Und genau das hat den Widerstand der Jägerschaft hervorgerufen, denn Anpassung bedeutet in diesem Kontext nichts anderes als Dezimierung. Doch von Jagdgegnern und anderen Tierschützern keine Spur. Während direkt vor der eigenen Haustür solche Gesetze verabschiedet werden sollen, arbeiten sich Deutschlands selbsternannte Tierschützer an der Auslandsjagd ab.

Geht es bei Wald vor Wild denn nicht um eine deutliche Reduzierung der Wilddichte, um eine gezielte Bejagung (Tötung) einer noch größeren Anzahl Schalenwilds zugunsten von Pflanzen? Warum wird das von Tierschützern nicht bemängelt? Tierschützer hätten vereint Sturm gegen dieses Vorhaben laufen müssen.

Der Wildtierschutzverband, der sich als Dachverband für Wildschutz in Deutschland versteht und mit großem Tamtam direkt auf seiner Startseite die Streckenliste des Deutschen Jagdverbandes (DJV) präsentiert, äußert sich oder berichtet über das brandenburgische Jagdgesetz mit keinem Wort. Stellung beziehen: Fehlanzeige.

Das Merkwürdige: der Verband sieht die Natur und das Ökosystem Wald bereits jetzt durch das aktuelle Jagdgeschehen in extremen Aufruhr versetzt. Wie soll es denn werden, wenn sich diese Art Jagdgesetz in Brandenburg durchsetzt und in Zukunft auch in andere Bundesländer ausdehnt? Wenn die Reviere wie vorgesehen deutlich kleiner werden und immer mehr Menschen jagen dürfen? Der Jagddruck wird noch höher, was zeitgleich eine weitere Belastung des Ökosystems Wald bedeuten würde. Ist das für den Wildtierschutzverband nicht relevant?

In diesem Zusammenhang hätten wir deutlich mehr von dem Verband erwartet, der seine prominenten Unterstützer so gerne auf seiner Startseite präsentiert. Oder verstehen wir das Motto des Verbands ggf. falsch und das Jagdgesetz in Brandenburg entspricht genau den „nötigen Gesetzesänderungen“, die der Verband sich vorstellt:

„Der Wildtierschutzverband will jetzt als Dachverband alle Wildtier- und WaldschützerInnen Deutschlands zusammenbringen, um umso stärker und schlagkräftiger politisch agieren zu können und so die nötigen Gesetzesänderungen anzustoßen.“

Dieses Verhalten haben wir in unserem Artikel „Jagdgegner sind gerne “dagegen” – Vor allem gegen jede Art von Dialog“ schon einmal angerissen. Auch wenn Jagdgegner auf unseren Text als solchen über Kommentare reagiert haben, ließen sie unsere Fragen unbeantwortet.

Wahrscheinlich sollen diese Fragen auch gar nicht beantwortet werden, denn wir vermuten hinter dem Verhalten genannter Gruppierungen einen Gewissenkonflikt mit den Parteien, denen sie angehören oder denen sie ihre Stimme schenken. Es ist kein Geheimnis, dass Tierschützer, Tierrechtlicher und andere „Aktivisten“ sich eher zu ökologischen oder sozialen Parteien hingezogen fühlen, doch genau diese haben nun ihre einstmals starke Zuneigung zu den Tieren gänzlich über Bord geworfen. Sie wird zwar nach außen weiterhin zur Schau gestellt, doch wenn der einzige Fokus nur noch auf der „Klimarettung“ steht, dann kann das Tierwohl unter Umständen schon mal „auf der Strecke“ bleiben.

Wir dürfen gespannt sein, ob die taz in naher Zukunft auch über die Fälle berichtet, bei denen Jagdeinrichtungen von Jagdgegnern beschädigt oder funktionsunfähig gemacht werden, damit Jäger von dort keine Tiere mehr schießen können. Für die „Wald-vor-Wild“-Befürworter sollten diese Aktionen von nun an kontraproduktiv und zu verurteilen sein, denn der Jäger muss Rehe für den Klimaschutz schießen. Die Jagdgegner gehören also zurechtgestutzt und auf Linie gebracht, damit sie verstehen, dass die Jäger jetzt nicht mehr die „Bösen“ sind.

Legalwaffenbesitzer kriminalisieren, doch jetzt soll es der Jäger richten?

Eine Sache ist verwunderlich: es ist das Verhalten der Tierschützer und Jagdgegner, die sich bei jeder Gelegenheit vor Jagdmessen positionieren oder sich in Kommentaren auf Jagdseiten darüber auslassen, wie armselig wir Jäger und das, was wir tun, für sie sind. Wie können wir bloß Tiere töten? Keine Erklärung auf ihre Fragen ist ausreichend.

Doch wenn wir Jäger und unsere Verbände uns gegen eben solche Vorhaben aus der Politik wenden, die mit dem Tierschutz nicht vereinbar sind, dann stehen wir allein auf weiter Flur. Von den Tierschützern, die uns zuvor anfeinden und beschimpfen, hört und sieht man nichts. Das Schweigen der Tierschützer ist in diesem Fall nichts anderes als Zustimmung zum Vorhaben der Politik. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Gesetzesänderungen wie das Jagdgesetz in Brandenburg, an Tierschützern medial vorbeigegangen sind.

Hetze und Anfeindungen gegen Legalwaffenbesitzer werden mit jedem Vorfall, der meist noch durch illegale Waffen/illegalen Waffenbesitz ausgelöst wird, immer intensiver. „Entwaffnen, zentrale Lagerung von Waffen, psychologisches Gutachten, strengere Auflagen, mehr Kontrollen“ und wer weiß was schon alles gefordert wurde und immer wieder auf den Tisch kommt. Da kann das rechtliche Netz nicht eng genug sein, sogar so eng, dass nichts mehr durchpasst und zum bürokratische Abläufe zum Erliegen kommen.

Doch wenn es um das Klima geht und „Experten“ in erhöhtem Abschuss von Schalenwild die einzige sinnvolle Schutzmöglichkeit der Wälder sehen, dann ist plötzlich auch der taz der „Jäger mit dem Schießgewehr“ wieder gut genug. Schließlich soll er gehörigst auch seinen Beitrag zur Klimarettung leisten, und das zügig.

Bis zum nächsten Vorfall mit illegalen Waffen, wenn er dann als Legalwaffenbesitzer wieder mit in der Verlosung ist, die Prügel der Medien einzustecken und sich anzuhören, welche weiteren Verschärfungen er über sich ergehen lassen soll.

Meinungsmache kann so einfach sein, man muss nur die Richtung vorgeben und dann auf der richtigen Seite stehen.

Fazit

Tierschützer, Tierrechtler und ihre Organe haben bei der Abwendung des neuen Jagdgesetzes in Brandenburg enttäuscht. Schlimmer, sie scheinen dieses in gewisser Form sogar gutzuheißen. Das von ihnen so oft propagierte „Tierwohl“, spielte in diesem Zusammenhang offenbar keine Rolle.

Auch Medien, denen Leser eine Stimmungsmache gegen Tiere wohl kaum zutrauen würden, erscheinen immer häufiger auf der Bildfläche und unterstützen den massiven Eingriff in Wildpopulationen zugunsten des Waldumbaus zur „Rettung des Klimas“.

Zum Glück sind wir nicht die Einzigen denen auffällt, dass da etwas nicht zusammenpasst. Zum einen mit der Art und Weise, wie diese Medien ihre Artikel aufbauen und die angebliche Logik herleiten, dass plötzlich Schalenwild das Problem an der Situation der Wälder ist. Zum anderen im Verhalten der Tierschützer, die den Bezug zu ihrer ursprünglichen Aufgabe allem Anschein nach immer weiter verlieren.

Hat Euch dieser Artikel gefallen? Bemerkt Ihr auch die befremdliche Tendenz, dass sich immer mehr Autoren zu der angeblich problematischen Rolle des Schalenwilds äußern und in dem Entwurf zum neuen Jagdgesetz von Axel Vogel die Lösung für ihre „Klimarettung“ sehen? Woher kommt dieser plötzliche Fokus auf dieses Thema? Lasst uns Eure Meinung in den Kommentaren da.

Foto von AbsolutVision auf Unsplash

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