Ausstattung für Jäger – Teil 4 – Ferngläser, Zieloptiken, Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte

Teil vier unserer Reihe “Ausstattung für Jäger” geht auf den Bereich der Optiken ein. Ihr erhaltet hier grundlegende Informationen über Zieloptiken (Zielfernrohre), Ferngläser (Feldstecher) und Spektive sowie ihre Einsatzgebiete. Abgerundet wird dieser Artikel durch die Kategorie der Wärmebild- und Nachtsichtgeräte, die sich aufgrund der Änderung des Waffengesetzes und dem Fortschritt in der technischen Reife immer größerer Beliebtheit erfreuen. Bitte beachtet besonders für die letztgenannten Produkte (Wärmebild- und Nachtsichtgeräte) die rechtlichen Rahmenbedingungen der Bundesländer.

Worin unterscheiden sich Zieloptiken und wo werden sie eingesetzt?

Zieloptiken (Monokulare) unterstützen Eure Augen dabei, weit entfernte und insbesondere bewegliche Objekte scharf erkennen und einschätzen zu können. Im Fachjargon der Jäger (Jägersprache) spricht man von “Ansprechen“. Es werden folgende 4 Arten von Zieloptiken unterschieden:

  • Offene Visiere wie z.B.: Kimme und Korn (Flinten)
  • Leuchtpunktvisiere wie z.B.: Reflexvisiere
  • (Klassische) Zielfernrohre
  • Laser (auch bekannt als Laserpointer, ihr Einsatz ist in Deutschland verboten)

Die Auswahl einer geeigneten Zieloptik kann oftmals eine Herausforderung darstellen, denn es gibt eine Fülle von Anbietern und Gläsern, die für unterschiedlichste Einsatzzwecke zur Auswahl stehen.

Damit Ihr eine Orientierung bekommt, worauf es beim Kauf von Zieloptiken ankommt, empfehlen wir Euch auch unseren Artikel “Was beim Kauf von Zieloptiken zu beachten ist – Auswahl, Visierung, Montage“. Wir geben Euch darin einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Merkmale, die bei Zieloptiken eine Rolle spielen:

  • Vergrößerung und Objektivdurchmesser
  • Objektiv, Okular und Austrittspupille
  • Sehfeld
  • Lichtstärke
  • Dämmerungszahl (Nachtjagd)
  • Vergütung
  • Absehen

Damit habt Ihr alle wichtigen Anhaltspunkte zur Hand, die bei der Auswahl einer Optik zu beachten sind.

Wie findet Ihr das richtige Fernglas?

Ein Fernglas (auch Feldstecher) ist Euer treuer Begleiter bei der Wildbeobachtung und beim Ansprechen von Wild. Die Auswahl eines für Euch geeigneten Fernglases richtet sich nach 3 Kriterien:

  • der Wildart, die Ihr bejagen möchtet
  • der Tageszeit, zu der die Jagd stattfinden soll und
  • Euren eigenen Ansprüchen an eine Optik

Die zuvor bei Zieloptiken genannten Merkmale finden auch bei Ferngläsern Anwendung. Allerdings sind Ferngläser im Gegensatz zu Zieloptiken Binokulare. Hierunter werden Optiken verstanden, die für beide Augen jeweils ein eigenes Okular besitzen.

Um die beiden Okulare miteinander zu verbinden, besitzen Ferngläser eine Verbindungsbrücke. Die Einstellung der Bildschärfe bei Ferngläsern erfolgt entweder über:

  • einen Mittelbetrieb (Einstellung der Bildschärfe erfolgt für beide Augen, zusätzlich kann die Schärfe des rechten Okulars justiert werden
  • Einzeljustierung der Okulare (beide Okulare lassen sich einzeln einstellen)

Für Brillenträger gibt es spezielle Ferngläser, so genannte B-Ferngläser. Diese besitzen an beiden Okularen umklappbare Kunststoffaufsätze, womit das Fernglas direkt an die Brillengläser gehalten werden kann.

Viele Anbieter bieten ihre Ferngläser auch mit integriertem Entfernungsmesser an.

Spektive zur Jagd und Tierbeobachtung

Ein Spektiv kann als monokulares Fernrohr mit einer äußerst starken Vergrößerung beschrieben werden, welches sehr gute Bilder auf weite Entfernungen liefert. Je nach Okular ist eine 20 -80-fache Vergrößerung möglich.

Aufgrund der hohen Vergrößerung eigenen sich Spektive besonders für die Beobachtung von großen und freien Flächen (z.B. Naturbeobachtung generell, offene Wasserflächen). Sich langsam bewegende Objekte können auf diese Weise hervorragend verfolgt werden. Im Fall einer Tierbeobachtung kann diese ohne Störung des natürlichen Verhaltens der Tiere durchgeführt werden, da der Beobachter sich weit vom Ziel aufhalten kann.

Bedingt durch die hohe Vergrößerung ist zu beachten, dass das Sehfeld hierdurch recht klein ist und das Bild leicht verwackeln kann, wenn das Spektiv mit der Hand gehalten wird. Daher sollte es bei längerer Beobachtung an geeigneter Stelle aufgelegt werden können bzw. ein Stativ benutzt werden.

Viele Spektiv-Modelle lassen sich zusammenschieben, in diesem Fall werden sie Ausziehfernrohe genannt. Bei variablen Spektiven lässt sich zudem die Vergrößerung stufenlos verstellbare.

Jetzt auch für die Jagd: Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte

Mit Änderung des Waffengesetzes im Januar 2020 eröffneten sich neue Möglichkeiten für Jäger hinsichtlich Nachtsichtgeräten und Wärmebildtechnik. Diese Techniken ermöglichen eine von Mondlicht und Wetter weitestgehend unabhängige Bejagung. Dennoch sollte vor dem Kauf oder dem Einsatz dieser Technik die aktuelle Rechtslage des Bundeslandes überprüft werden, ob dort ggf. jagdrechtliche Einschränken herrschen.

Wie auch bei den Zieloptiken und Ferngläsern werden bei Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräten Monokulare und Binokulare unterschieden. Bestimmte Ausführungen von Monokularen eignen sich für die Montage auf Waffen. Bei Monokularen unterscheidet man folgende Ausführungen:

  • Handbeobachtungsgeräte (nur per Hand nutzbar, keine Montagevorrichtung)
  • Dual-Use-Geräte (sowohl per Hand nutzbar als auch als Vorsatzgerät geeignet)
  • Wärmebildzieloptiken / Nachtsichtzieloptiken (eingeständige Zieloptiken mit eigenem Absehen, in Deutschland verboten!)

Wärmebildtechnologie benötigt kein Restlicht sondern wandelt die für das menschliche Auge unsichtbaren Infrarotstrahlen um und macht diese sichtbar. Sie macht Temperaturunterschiede sichtbar.

Wesentliche Elemente einer Wärmebildoptik sind:

  • die Objektivlinse
  • der Sensor / Detektor
  • die Qualität des Bildschirms

Nachtsichtgeräte werden oft auch als Restlichtverstärker bezeichnet,  da sie das noch minimal vorhandene Licht extrem verstärken und in ein für das menschliche Auge verwertbares Bild umwandeln. Teilweise reicht dieses Restlicht jedoch nicht aus, und es muss auf Aufheller zurückgegriffen werden, die jedoch in keinem Fall direkt an der Waffe montiert werden dürfen.

Bei Nachtsichtgeräten werden Vorsatzgerät (Befestigung auf der Objektivseite) und Aufsatzgeräte (Befestigung auf der Okularseite) unterschieden.

Ausführliche Informationen zu Wärmebildtechnik und Nachtsichttechnik haben wir Euch in unserem Beitrag “Nachtsichtgeräte & Wärmebildtechnologie – Die neuen Einsatzmöglichkeiten für die Nachtjagd” zusammengestellt.

Wärmebildkameras

Nachtsichtgeräte

Hat Euch dieser Artikel gefallen? Ist eines von Euren Lieblingsprodukten dabei oder habt Ihr durch unsere Empfehlung einen Artikel gefunden, den Ihr gerne weiterempfehlen würdet? Welche Zieloptiken, Ferngläser, Spektive oder Wärmebildkameras setzt Ihr bei Euren jagdlichen Aktivitäten ein, die ihr Jungjägern und Jägern bedenkenlos empfehlen könnt? Wie ist Eure Erfahrung hinsichtlich Wärmebildkameras? Ist die Technik mittlerweile weit genug ausgereift und liefert die gewünschten Resultate? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare.

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